El Cid und die Homöopathie I

Standbild des Cid in Burgos, Kastilien (nein, es ist wirklich nicht Kaiser Friedrich Barbarossa)

Kennen Sie, lieber Leser, die Geschichte von Rodrigo Diaz de Vivar, genannt El Cid, dem spanischen Nationalhelden? Großartig dargestellt vom unverwüstlichen Charlton Heston in CinemaScope (1961, Regie Anthony Mann, Oscar-preisgekrönte Musik von Miklós Rózsa). Zu empfehlen für Liebhaber gewaltiger Historienschinken und Besitzer großer Flachbildschirme.

Ja, um Himmels Willen, was hat der denn nun mit der Homöopathie zu tun?

Seine Geschichte, genauer die Geschichte rund um seinen Tod, hat mich lebhaft an die Geschichte der Homöopathie erinnert. El Cid hatte bedauerlicherweise am ersten Tag der Entscheidungsschlacht um Valencia einen tödlichen Pfeiltreffer kassiert, wodurch er am nächsten Tag zwangsläufig nicht in der Lage war, seine Männer wieder in den Kampf zu führen. Man befürchtete -zu Recht- beim Bekanntwerden seines Ablebens einen gewaltigen Einbruch der Kampfmoral und die daraus folgende Niederlage.

Was also tun, um die Niederlage doch noch zu verhindern? Die Legende sagt, dass der Cid befohlen hatte, ihn herzurichten und mit dem Schwert in der Hand in voller Rüstung aufs Pferd zu binden. So führte der Tote seine Truppen an, die so motiviert einen glänzenden Sieg über die von der Erscheinung des Totgeglaubten erschreckten Berbertruppen erzielten. Leider musste kurz danach Valencia trotzdem vor den Almoraviden geräumt werden…

So etwa sehe ich auch die Geschichte der Homöopathie im 20. und 21. Jahrhundert. Nach langer Laufbahn mit wechselndem Kriegsglück entscheidende Treffer kassiert, für tot erklärt, etwas länger liegengeblieben als der Cid, aber dann von Begeisterten, die die Schlacht doch noch gewinnen wollten, her- und aufgerichtet, geschminkt und wieder ins Rennen geschickt, in der Hoffnung, sie möge nun endlich doch noch den Sieg über die medizinische Konkurrenz davontragen.  Zweifellos nicht ohne Erfolg, hochmotivierte Anhänger, die der tapferen Leiche hinterherjubeln, gibt es genug. Wir warten allerdings noch auf die endgültige Niederlage trotz dieses Schachzugs, ob vor Valencia oder anderswo.

Kriegskasse

Wie? Sie glauben nicht, dass die Homöopathie schon tot war, bevor sie dank der Bemühungen der Carstens-Stiftung seit den 70er Jahren, festgebunden auf dem Ross der Pseudowissenschaftlichkeit und flankiert von einer ordentlichen Kriegskasse, als aufgemöbelte Leiche wieder reüssierte? Wobei so getan wurde und wird, als habe sich die Homöopathie seit Hahnemann mehr oder weniger siegreich behauptet und müsse nun endlich nur noch mit dem Segen der offiziellen Gesundheitswesens und der wissenschaftlichen Anerkennung gekrönt werden.

Denkste. Die Nummer ist schon sehr, sehr lange durch. Die heutigen Propagandisten setzen nur auf die Vergesslichkeit und Bequemlichkeit der Menschen, auf den Effekt der momentanen Beeinflussung und mehr oder weniger sanften Verführung.

Den Beweis möchte ich Ihnen nachstehend antreten. Und zwar -bequem wie ich bin- hauptsächlich unter Rückgriff auf die Berichte  des Donner-Reports, den Aufzeichnungen von Fritz Donner, einem der führenden homöopathischen Ärzte der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, der sich später konsequent von der Homöopathie abwandte und Leitender Arzt einer internistischen Klinik wurde. Ein Vorgänger von Natalie Grams, der früheren Homöopathin und heutigen Leiterin des verdienstvollen Informationsnetzwerks Homöopathie (siehe Blogroll).

Donner bezieht sich auf die großangelegte Überprüfung der Homöopathie  durch das Reichsgesundheitsamt in den Jahren 1936 bis 1939. Er war direkt in diese Aktion eingebunden und berichtet aus eigener Anschauung und erster Hand.

Vorher aber ein kurzer Exkurs ins 19. Jahrhundert.

Die Homöopathie war nie lege artis

Zu keiner Zeit war die Homöopathie unumstritten. Schon unter Hahnemanns Zeitgenossen wurde sie -vor allem ihres dogmatischen Charakters wegen, aber auch wegen des Beginns wissenschaftlich-kritischen Denkens- argwöhnisch betrachtet. Was die frühe Anhängerschaft betrifft, so kann man das leicht verstehen. Natürlich war Hahnemann nicht der Einzige, der den Schaden wahrnahm, den vorsintflutliche Methoden wie Aderlass, Fontanellen, Haarseil und dergleichen beim Patienten anrichteten. Und nun hatte man plötzlich ein ganzes Lehrgebäude zur Verfügung, das mit der Autorität des Systematischen verführte und die Überlebensrate stark verbesserte. Sie „etablierte“ sich in weiten Kreisen, aber wie gesagt keineswegs unumstritten oder gar als Methode erster Wahl. Verschiedentlich wurde die Anwendung der Homöopathie von der Obrigkeit gar untersagt.

Mitte des 19. Jh. erlebte die wissenschaftliche Medizin ihren ersten entscheidenden Schub. Rudolf Virchow, gestützt auf die Vorarbeiten von Günzburg und Remak (um 1850), etablierte die Zellularpathologie, die Lehre von den Zellen und ihrer Funktion als kleinste Lebenseinheiten. Damit wurde das Tor zur modernen Ätiologie, der Lehre von der Krankheitsentstehung aufgrund von Zellveränderungen, weit aufgestoßen. Bis heute beruhen die Erklärungsmodelle der Ätiologen auf der Zellularpathologie (vom gebrochenen Bein mal abgesehen), das Modell hat sich glänzend bewährt. Man denke nur einmal an die bösartigen Tumorerkrankungen, ein Krankheitsgeschehen auf Zellebene par excellence. Aber genauso auch an alle Arten von Infektionen, die in einer Störung des Zellstoffwechsels zum Ausdruck kommen, ferner erst recht die klassischen internistischen Organerkrankungen, die auf Fehl- und Minderfunktionen auf Zellebene zurückgehen.

Chopin: Trauermarsch aus der 2. Klaviersonate. Nicht extra für die Homöopathie komponiert.

Damit war die Hahnemannsche Lehre von der „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“, die eine Krankheit ausmache und die nicht als solche erkannt werden könne, sondern nur durch Symptombilder in Erscheinung trete, erledigt. Und nicht nur diese Grundannahme, sondern die Homöopathie insgesamt, denn die geschlossene homöopathische Methode kann nicht „umgebaut werden“, ohne dass sie insgesamt inkonsistent wird. Siehe meine vorherigen Beiträge. Intellektuell und wissenschaftlich starb die Homöopathie ihren ersten leisen Tod.

Zweiter Teil in Kürze, der sich mit der Zwischenzeit bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts und der darauf folgenden Zeitspanne befasst. Wird spannend.


Bildnachweis:

1,2 : Eigene Bilder
3: Wikimedia Commons (Zitierausschnitt)

Die Inkonsistenz der Homöopathie I

Der Monolith der Homöopathie, unbeeindruckt vom Fluss der fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnis

Wer weiß, was ein Kanon ist? Das lateinische Wort „Kanon“ meint soviel  wie Maßstab, Richtschnur, einheitliche Gesamtheit. Der Kanon der Wissenschaft ist die Summe anerkannter Erkenntnisse oder Regeln, beispielsweise der Kanon der wissenschaftlich abgesicherten medizinischen Mittel und Methoden, im weitesten Sinne den „State of the Art“.

Ein Missverständnis ersten Ranges wäre es, diesen Kanon im wissenschaftlichen Sinne als feststehend, in Stein gemeißelt anzusehen. Von diesen früher durchaus gehegten Gedanken, dass bereits alles erschlossen sei, was es zu wissen gebe, haben wir uns längst verabschiedet. Und das ist noch gar nicht so lange her. Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert riet man jungen Akademikern ab, Physik zu studieren. Nach der Entdeckung der Gesetze der Thermodynamik und der elektrischen Feldgleichungen waren viele Wissenschaftler sicher, der Kanon der Physik sei geschlossen und es werde keine neuen Erkenntnisse mehr geben. Wir wurden wahrhaftig eines Besseren belehrt – und haben uns nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Wissenschaftstheorie von einer so naiven Sicht verabschiedet.

Der Kanon der wissenschaftlichen Medizin ist heute der jeweils gültige Bestand der gesicherten Erkenntnisse. Er ist – entsprechend der Erkenntnismethode von Karl Poppers Falsifikationismus – sozusagen immer nur eine buchstäbliche Momentaufnahme, der aktuelle Stand des Nichtwissens, wie Eckart von Hirschhausen so treffend sagt. Er steht ständig auf dem wissenschaftlichen Prüfstand. Methoden werden verbessert, Neues wird hinzugefügt, Widerlegtes verworfen und aus dem Kanon ausgeschieden. Was nebenbei ein außerordentlich wirksames Mittel gegen Dogmatismus ist. Der Kanon muss zudem in sich konsistent sein, womit gemeint ist, dass keine Widersprüche in ihm selbst (innere Konsistenz) und zu anderen gesichertem Wissen (äußere Konsistenz)  enthalten sein dürfen – solche sind Anlass zu weiterer Aufklärung. Man kann ja nun nicht von einem „Kanon“, also einem „Zusammenklang“ sprechen, wenn ein System in sich und / oder gegenüber gültiger wissenschaftlicher Erkenntnis anderer Wissenschaftsbereiche widersprechende Erkenntnisse und Methoden enthält (fehlende innere und / oder äußere Konsistenz).

Der jeweilige Kanon wissenschaftlicher Mittel und Methoden, auch und gerade in der Medizin, ist also eine Momentaufnahme, die den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Prozesses repräsentiert. Er ist ein Fluss in der Zeit. Er mag Lücken und Irrtümer enthalten, die aber nach der wissenschaftlichen Methode der Falsifikation, des Versuchs der Widerlegung und Verbesserung, der Korrektur früher oder später anheimfallen. Falsifikation führt immer dann zu Fortschritt, wenn eine Beobachtung einer bisherigen Erkenntnis (Theorie) widerspricht oder sich widersprechende Annahmen aufgelöst werden. Sie garantiert ein offenes, selbstreferenzierendes System. Erkenntnisgewinnung nicht durch Bestätigungsversuche (Validierung), sondern durch Widerlegungsversuche (Falsifizierung) von Hypothesen und Theorien: die große Leistung Karl Poppers zur Epistemologie und das derzeit beste System der Erkenntnisgewinnung, das Menschen in mehr als 2000 Jahren entwickelt haben.

Ein Beispiel für den Mechanismus dieses erkenntnisoffenen Systems ist der Fall der lange zum Kanon gehörenden Hormontherapie für Frauen nach der Menopause. Angesichts vieler Behandlungserfolge bezogen auf die typischen Wechseljahresbeschwerden hatte sich diese Methode als Standard etabliert. Durch die kritisch-falsifizierende Forschung geriet diese scheinbar fest im Kanon verankerte Therapie ins Wanken.

Die Ergebnisse der britischen „One Million Study“, einer der weltweit größten Untersuchungen zur Hormonbehandlung für Frauen nach der Menopause, zwang zum Umdenken. Sie bestätigte eine deutliche Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch eine solche Hormonbehandlung, und zwar umso mehr, je länger die Behandlung andauerte. Eine weitere Studie, die „Woman‘ s Health Initiative“, konnte nicht über die vorgesehene Zeit von acht Jahren durchgeführt werden – sie wurde wegen der überdeutlichen Zunahme von Brustkrebserkrankungen schon bei den Zwischenergebnissen abgebrochen.

Somit verlor die generelle Empfehlung zu einer postmenopausalen Hormontherapie ihren Platz im wissenschaftlich-medizinischen Kanon. Sie wurde zunächst durch eine im Anwendungsbereich und in der Anwendungsdauer stark beschränkte Empfehlung ersetzt. Derzeit hat die laufende Forschung detaillierte neue Ergebnisse erbracht, die in eine neue, sehr differenzierte Leitlinie münden werden.

Jetzt aber die Gretchenfrage:

Wie sieht es mit alledem bei der Homöopathie aus?

Nun, die Homöopathie verfügt auch über einen Kanon, der – wir werden noch sehen warum – weder innere noch äußere Konsistenz besitzt, deshalb  außerhalb des Kanons der wissenschaftlichen Medizin steht und mit ihm unvereinbar ist. Der verkörpert sich im „Organon der Heilkunst“, stammt vom berühmten Samuel Hahnemann und ist inzwischen 220 Jahre alt, ohne dass ihn etwas von der wissenschaftlichen Methode des Falsifizierens, des Verwerfens von Unhaltbarem und des Einbaues neuer Erkenntnisse berührt hätte. Im Gegenteil, den Homöopathien, vor allem den sogenannten klassischen und genuinen, gilt er als sakrosankt, als Dogma – was sich durchaus damit verträgt, dass er ein Gedankengebäude, eine Erfindung (keine Entdeckung, wie Hahnemann glaubte!), eine auf vorwissenschaftlichen Vorstellungen beruhende gedankliche Konstruktion ist. Eben ein Monolith, der völlig unbeeindruckt vom Fluss der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte unbeweglich in der Landschaft steht – siehe Beitragsbild.

Hahnemann war der Begriff der Empirie, der Erfahrungswissenschaft, zwar klar, ja er sah darin die einzige Erkenntnismethode, selbst gegen seine eigene Vernunftwahrnehmung – jedoch es fehlten ihm jegliche Mittel und Methoden zur Einordnung und Bewertung seiner empirischen Ergebnisse, ein gesichertes Referenzsystem, wie es uns heute mit der überwältigenden Menge gut gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verfügung steht. Dass er auf derart unsicherem Boden, ohne einen Begriff von Epistemologie, scheitern musste, ist rückblickend klar.  Ein Beispiel dafür ist der vielzitierte Chinarindenversuch. Hahnemann war darauf angewiesen, seine Erkenntnisse – zum Beispiel, dass die Methoden seiner Ärztekollegen eher zum Ab- als zum Weiterleben der Patienten führten – in einem reinen Gedankengebäude zu verarbeiten. Teils griff er dabei auf Gedanken des Animismus – der Vorstellung einer allseits belebten und bedeutungsvollen Welt- (daraus entstand das Simileprinzip) und des damit verwandten Vitalismus (die Annahme der Belebung einer aus sich heraus nicht „lebensfähigen“ Materie durch eine von außen einwirkende „geistige Lebenskraft“) zurück, teils erfand er ihm schlüssig erscheinende Hypothesen wie die Wirkungszunahme durch Potenzierung (die ursprünglich nur Giftstoffe unschädlich machen sollte, dann aber von Hahnemann zu einer tragenden Säule seiner Lehre im Sinne einer „Vergeistigung“ der Materie durch den rituellen Potenzierungsvorgang ausgebaut wurde. Als Grundprinzip lehrte Hahnemann, dass jede Krankheit eine „Verstimmung der geistartigen Lebenskraft“ sei, die durch die Symptome sichtbar werde – und nur durch diese. Mehr als Symptome „sei von einer Krankheit nicht zu wissen“. Die Symptombilder der Patienten wiederum seien die Basis dafür, mit hoch- und höchstverdünnten („potenzierten“) Mitteln, die ihrerseits eine „geistartige Arzneikraft“ besäßen und die Fähigkeit hätten, die „geistartige Lebenskraft“ des Kranken wieder zurechtzurücken. Im Idealfall der richtigen Mittelwahl.

Diese Kernannahmen der Homöopathie, die einen gewissen Grundkonsens in der inzwischen in viele Varianten und Ausdeutungen der ursprünglichen Lehre zerfallenen Homöopathie ausmachen, stellen ein klassisches Dogma dar. Diese Annahmen konnten auch deshalb Platz greifen, weil damals noch keine Vorstellung von Ätiologie, also der Lehre von Krankheitsentstehung und -verläufen, bestand. Eine moderner Pharmakokinese und Pharmakovigilanz (also davon, was mit einem Medikament im Körper geschieht) irgendwie entsprechende Hypothese lieferte er nicht, er meinte lediglich, dass die „Perception der Nerven“ dabei eine Rolle spiele.

Demgemäß gab es auch noch keine ausgebildete Pathologie, also Krankheitslehre im Hinblick auf Ursachen. Es sollte einsichtig sein, dass ohne Ätiologie und Pathologie, die zur Diagnose führen jede medizinische Behandlung, auch jeder Versuch einer Anamnese (die prinzipiell immerhin auf Hahnemann zurückgeht) immer nur ein „Stochern im Nebel“ sein konnte. So war damals auch denkmöglich, Krankheiten generell auf eine Grundursache (Verstimmung der Lebenskraft) zurückzuführen – ein Merkmal vieler pseudomedizinischer Methoden. 

Das ist ein Befund, der sich nicht einfach schulterzuckend hinnehmen lässt. Die homöopathische Lehre ist im Kern dogmatisch, ignoriert deshalb zwangsläufig den wissenschaftlichen Fortschritt und ist damit nach außen inkonsistent. Es wird noch gezeigt werden, dass nicht einmal eine innere Konsistenz der Homöopathie vorliegt.

Wie ist es möglich, dass es Mediziner gibt, die kein Problem damit haben, diese beiden Welten der wissenschaftsbasierten und der dogmatisch verfestigten Medizin, die sich in ihren Prämissen ausschließen, in der Praxis nebeneinander anzuwenden, ohne dabei eine massive kognitive Dissonanz wahrzunehmen? Diese Frage wird sich noch durch manchen weiteren Beitrag auf diesem Blog ziehen.

Im Bestreben, zu retten, was zu retten ist, suchen die Homöopathen ihr Heil unter anderem in dem Versuch, die Homöopathie ungeachtet des Festhaltens am Grunddogma in eine modern und neuzeitlich scheinende Aura von Scheinwissenschaftlichkeit zu hüllen. Damit sind sie nicht wenig erfolgreich. Ihre scheinwissenschaftliche Mimikry wirkt auf das zur Hömöopathie wenig informierte Publikum wie gewünscht – sie soll die Unvereinbarkeit des Hahnemannschen Kanons und des „State of the Art“ der wissenschaftlichen Medizin verschleiern. Und tut es leider weithin auch.

Halten wir fest: Der Kanon der wissenschaftsbasierten Medizin ist in ständigem Fluss begriffen, seine ihm inhärente Methode der Erkenntnisgewinnung durch Fehlerbereinigung sorgt für den Fortschritt der Erkenntnis. Mir gefällt sehr die Metapher, dass wir uns mit der wissenschaftlichen Methode „emporirren“. Der Kanon der Homöopathie ist im Kern ein über zweihundert Jahre altes Dogma, damals zwar nach bestem Vermögen geschrieben, dessen Grundaussagen von den Ergebnissen wissenschaftlicher Erkenntnis unberührt geblieben sind. Ein recht gut erhaltenes Fossil, aber ein Fossil.

Der zweite Teil des Beitrages ist hier zu finden.

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